Banken ohne Kundschaft

geschrieben von pcrespi | 2 Mai, 2013

 Vor kurzem las ich, dass Ernest Hemingway während seiner Zeit in Paris zum Pferderennen ging, was sich für ihn zu lohnen schien, denn er erhöhte seine Gewinnchancen dadurch, dass er am Verhalten der Tiere erkannte, ob sie unter Psychotonika standen oder nicht. Meine Strategie beim Pferderennen ist es hingegen, dem Stadionsprecher vor dem Rennen einfach gut zuzuhören, denn der gibt gelegentlich bekannt, welcher der Jockeys als Favorit an den Start geht. Das ermöglicht mir, meinen Wetterlös zu versiebenfachen. Allerdings war ich erst einmal beim Galopp im Hippodrome de Longchamp und habe bei der Gelegenheit lediglich fünf Euro investiert.  

   Im Gegensatz zu Hemingway, der sich nebenbei gesagt für arm hielt, obwohl er die eine oder andere Skisaison in den österreichischen Alpen verbrachte, übt das Setzen auf  kleine, buntgecheckte Berufsrennreiter, die mit ihren Peitschen auf Pferdeärsche eindreschen, keinen besonderen Reiz aus. Heutzutage bieten sich effektivere Möglichkeiten, Geld zu verspielen. Wozu gibt es zum Beispiel die Börse, der ich bequem von zu Hause aus die Dukaten in den Rachen pulvern kann, indem ich erwartungsvoll auf das Steigen sanierungsbedürftiger Solarstromtechnologiekonzernaktien spekuliere?    


 Voraussetzung dafür ist natürlich, sich ein Zuhause, ein Bankkonto, einen Computer und einen Internetanschluss leisten zu können. Angesichts der Lebenshaltungskosten in Paris bleibt indes nicht immer Geld für die Kapitalvernichtung übrig. Hat sich plötzlich doch etwas auf der hohen Kante angesammelt, will die Bank als Erstes wissen, woher das Geld kommt, denn es könnte ja aus Erträgen des Waffen- oder Drogenhandels oder aus Gewinnen unerlaubter Wetteinsätze stammen.    

 So bat mich das Geldinstitut meiner Wahl vor noch nicht allzu langer Zeit, die Herkunft eines größeren Betrag auf meinem Konto zu erklären, zöge er doch nach Angaben des Bankangestellten den Verdacht der Geldwäsche auf sich. Ich machte mir nicht so viele Sorgen, hatte ich mich doch vor der Einzahlung am Schalter erkundigt, ob ein größerer Betrag auf meinem Konto ebendiesen Verdacht der Geldwäsche auf sich ziehen könnte. Mir wurde gesagt, es werden mir ein paar Fragen gestellt und ich glaubte wirklich, dies würde sich im Rahmen eines freundlichen Kundengesprächs abspielen. Tatsächlich wurde ich vorgeladen und musste, so kam es mir jedenfalls vor, ein regelrechtes Verhör über mich ergehen lassen.      

 Wenige Monate danach tätigte ich eine Überweisung in die Schweiz und erhielt erneut einen Anruf meines Bankberaters. Daraufhin schrieb ich einen Brief, in dem ich klarstellte, dass die Unterstellungen der Geldwäsche absurd und nach Möglichkeit zu unterlassen seien. Als Antwort flatterte wenige Tage später die Kündigung meines Bankkontos ins Haus, was ich wahrscheinlich nur dadurch hätte verhindern können, wäre ich wie Hemingway nach Österreich oder zumindest nach Frankreich zum Skilaufen gefahren.    


  Eine weitere Möglichkeit, sein Geld aus dem Fenster zu werfen, ergibt sich übrigens, wenn einem die Haustür ins Schloss fällt, während der Schlüssel noch in der Wohnung liegt oder mit roher Gewalt im Schloss abgebrochen wird. Das kann schon einmal nach einem langen Tag oder einer langen Nacht passieren. Gerade am Wochenende geht für den angerückten Schlüsseldienst ein kleines Vermögen drauf. Allein für die Anfahrt werden in Paris schnell 75 Euro berechnet und am Abend gibt es bis zu hundertfünfzigprozentige Zuschläge. Nun lassen gerade diese Schlüsseldienste regelmäßig kleine Informationsblätter verteilen, die neben Polizei- und Notdienstnummern im Kleingedruckten über diese Kosten informieren, was ich ehrlich gesagt etwas bedaure. Wo bitte bleibt der Spaß, wenn man die Höhe seiner Verluste im Voraus kennt?   

   Wie dem auch sei, angesichts der derzeitigen europäischen Wirtschaftskrise, von der nicht zuletzt der Finanzsektor betroffen ist, sollte man annehmen, dass sich Banken heutzutage besonders um das Vertrauen ihrer Kunden bemühen. Unter vertrauensschaffenden Maßnahmen stelle ich mir jedoch etwas anderes vor, als den gebührenzahlenden Anleger unter Generalverdacht zu stellen und ihm letztendlich ohne Begründung das Konto zu sperren. Nun ja, vielleicht möchten die Banken auch nur herausfinden, ob es sich in Zukunft lohnt, gänzlich auf die störende Kundschaft zu verzichten. Mein Hemd würde ich darauf nicht verwetten.    


   Ob Hemingway als er in Paris lebte über ein Bankkonto verfügte, vermag ich im Übrigen nicht zu sagen. Es würde ohnehin nicht zu meiner Vorstellung vom Paris der zwanziger Jahre passen, dem bei andauerndem industriellen und kulturellen Fortschritt Staatsverschuldung und Weltwirtschaftskrise erst noch bevorstand. Geld, wenn man es besaß, wurde damals in einen Picasso oder in angebliches Opium investiert. Es wurde ins Restaurant, ins Café, ins Louxor und ins Wettbüro, nicht aber zur Bank getragen. So war das damals, als unsere heutige Zukunft noch in weiter Ferne lag und von der Hemingway allgemeingültig annahm, dass das Merkwürdige an Ihr die Vorstellung sei, dass man seine Zeit einmal als die gute alte Zeit bezeichnen würde.    

 Vor meiner nunmehr ehemaligen Bank sitzt des Öfteren eine Bettlerin, die mich daran erinnert wie schön es doch einst war, als ich ihr großzügig ein paar Münzen in die Hand drückte, bevor ich in den Schalterraum trat, wo freudestrahlend schon der Direktor dieser kleinen Filiale auf mich wartete und der mein Freund war und mir auch sonst recht vernünftig erschien, auch wenn er mir wie schon so oft sagte, dass die Geldzählmaschine des Bankautomaten aufs Neue defekt sei. Darüber lachten wir ausgiebig, gingen dann in ein naheliegendes Bistro, eines der besten der Stadt, in dem man ohne sich zu ruinieren eine herrlich deftige Fischsuppe, obendrein einen ausgesprochen guten Weißwein bekam und ganz wunderbar über die alten Tage plaudern konnte … von früher, als man annahm am richtigen Ort noch Mensch sein zu dürfen.


Plüschiger Herbsttag

geschrieben von pcrespi | 12 Okt, 2012

Wenn sich der Regen nieselnd auf die Stadt verteilt, ich müde und ziellos durch die Gassen und Straßen von Paris wandere, vielmehr streune, macht sich ein Gefühl in mir breit, wie es Rilke einst im Gedicht Herbsttag so schön in Verse fasste. Ich bin nicht nur allein, sondern werde es auch lange bleiben. Ähnlich mag sich eine junge Frau aus dem fernen Singapur an einem solchen verregneten Tag im Oktober vorkommen. Blätter treiben im Rinnsal, kleben am Bordstein und sie schaut suchend, versucht sich zu orientieren in einer Stadt, die ihr fremd und überwältigend erscheint. Das verrät sie mir, nachdem ich frage, woher sie kommt, wohin sie geht und als ihr Blick meinem weisenden Arm folgt, erfasse ich die gefälligen Züge ihres Gesichtes. Also begleite ich sie ein Stück, behaupte ich hätte den selben Weg und als sie meint, sie finde sich nun allein zurecht, höre ich mich sagen, dass es mich freut ihre Bekanntschaft gemacht zu haben und biege an der nächsten Ecke ab. Ich verschwinde aus ihrem, wie sie aus meinem Blick, aber sie will nicht aus meinen Gedanken. Ich versuche mich zur Umkehr zu zwingen, will ihr meine Karte geben, nach ihrer Telefonnummer fragen, mich am liebsten für den morgigen Tag verabreden und doch bewege ich mich festen Schrittes von ihr fort und denke schließlich: Lass es sein.         


Paris ist die Stadt der Liebe, wie es heißt, und obwohl der Wonnemonat Mai für sich in Anspruch nimmt, dem Liebesgott Amor die meiste Arbeit zu verschaffen, vergessen wir manchmal, dass es sehr wohl auch Tage im September oder Oktober gibt, an denen er sich mehr oder weniger erfolgreich an uns übt. Dann jagt er denen einen Liebespfeil ins Herz, die im Herbst und Winter weder wachen oder lesen, noch lange Briefe schreiben wollen. Nicht immer trifft sein Schuss und ich bin nicht alleiniger Zeuge seiner schmerzhaften Streif- und Durchschüsse. So erzählte mir unlängst eine junge Französin, sie hätte ein Rendezvous mit einem Amerikaner und als ich sie eine Woche später erneut traf, da war er zurück in die Staaten geflogen und sie meinte sie würde Zeit brauchen, um nicht mehr an ihn zu denken. Dass sie ihn vergessen wollte, lag wohl an seiner Freundin, die er meiner Bekannten gegenüber unerwähnt ließ, sie es aber dennoch von ihrer Freundin per SMS erfuhr. Das hielt sie keinesfalls davon ab, ihn in ihre Wohnung einzuladen und als sie mir sagte, seiner Treue wegen wäre es zu keinem Techtelmechtel gekommen, war ich nicht sicher ob ich mir Sorgen um diese jungen Leute machen oder mich vor ihnen in Ehrfurcht verneigen müsse. Dann ertappte ich mich auch noch bei dem Gedanken, ich dürfe mich nicht mehr jung fühlen wie sie und wunderte mich, wo die Zeit geblieben war, als wir sangen, was zur Hölle wir trinkend in L.A. tun, mit 26 oder je nachdem wie alt bzw. jung wir uns damals fühlten.


Kollateralschaden der Liebelei war übrigens ein aus Ottawa stammender Bekannter von ihr, der sich höchst unflexibel zeigte, als sie ihm den Amerikaner in Paris vorstellte. Der Kanadier offenbarte ihr seine Gefühle, indem er erbost das Weite suchte und damit die Freundschaft, von der er offensichtlich mehr als gelegentliche Treffen erwartete, aufkündigte. Den war sie jedenfalls los. Der Mitbewohner einer mir bekannten Amerikanerin gibt da so schnell nicht auf. Sie erzählte mir von seinem Wunsch, sich wenigstens in ihr abgestandenes Badewasser legen zu dürfen, wenn sie schon ein gemeinsames Bad ablehne. Ist ja klar, der Mann spielt in seiner eigenen Liga. Eine französische Briefreundin teilte mir hingegen mit, dass sie einer Internetbekanntschaft schon nach wenigen Verabredungen in einer Mail darüber aufklärte, dass sie sich mehr als eine Freundschaft mit ihm nicht vorstellen könne: "Zum Typen aus dem Internet habe ich geschrieben, dass ich nicht davon überzeugt bin, dass wir uns gegenseitig glücklich machen könnten, wenn wir eine Beziehung hätten und dass ich lieber Freunde bleiben möchte, weil er sehr sympathisch ist. Er hat geantwortet, dass er den gleichen Eindruck hätte und theoretisch sehen wir uns morgen wieder. Bloß hat er mir immer noch nicht gesagt, wann und wo..." Wenig scheint in diesen Tagen zur Vollendung zu drängen und dennoch überlege ich, inzwischen auf dem Heimweg, wie es mir mit Zufalls Hilfe gelingen könnte, die attraktive Frau aus Singapur wiederzusehen, komme aber zu dem Schluss, dass es aussichtslos ist. Dabei fällt mir der verlassene Stoffesel ein, den ich an einem herbstlichen Regentag auf einer Bank sitzen sah und fotografierte. Ein solches Plüschtier rührt kein menschlicher Trennungsschmerz und doch zeugt es, vergeblich wartend und patschnass, recht angemessen davon. Auf dass uns der Herbst noch ein paar südlichere Tage schenkt.          


Paris? Alles nur Fassade!

geschrieben von pcrespi | 4 Sep, 2012

Es soll ja Menschen geben, die von Paris träumen. Sie malen sich aus, wie sie durch die Stadt schlendern und dabei das eigene Leben daheim für eine bestimmte Zeit vergessen. In der Tat genießt die französische Metropole den Ruf träumerische Nostalgie und quirlige Lebendigkeit mit weltoffenem Charme zu vereinen. Die Wirklichkeit sieht indessen ganz anders aus. Paris, so wie wir es uns vorstellen, existiert schon lange nicht mehr. Manche behaupten sogar, die Stadt hat es nie gegeben. Der Mythos Paris ist vor allem in der Traumfabrik Hollywood entstanden, wie eine Ausstellung im Rathaus von Paris (Paris vu par Hollywood) ab dem 18. September dokumentieren wird. Die Frage, warum so viele Regisseure Paris als idealen Schauplatz ihrer mehr oder weniger ausgereiften Filmkunst ausgekoren haben, ist einfach zu beantworten: Alles was Sie in Paris vorfinden ist filmgerechte Fassade. Die Stadt ist nichts weiteres als eine, noch während des zweiten Weltkrieges aufgebaute Kulisse, von der nicht nur die Filmindustrie, sondern heutzutage vor allem die Tourismusbranche profitiert.     

 

Die öffentliche Meinungsmache dringt tief ein in die kollektive Wahrnehmung und erzeugt Illusionen, die wir als Realität unreflektiert in unsere Gedankengebäude einbauen. Nicht nur Paris, sondern ebenso die französische Lebensart ist ein Beispiel dafür. Sie glauben Crêpes sind eine uralte, typisch französische Spezialität? Falsch geglaubt. Der aus Buxtehude stammender Apotheker Dr. Spökenkieker, erfand den superdünnen Pfannkuchen erst 1954. Damals arbeitete er in seiner Apotheke an einer Wundauflage, die ohne großen Aufwand und mit einfachsten Mitteln kostengünstig hergestell werden konnte. Wie wir heute aus einem Brief Dr. Spökenkiekers an einen Freund wissen, befand sich der Heillappen kurz vor der Patentanmeldung. Doch finanzielle Nöte hielten ihn davon ab, sich die Rechte an der revolutionären Erfindung sichern zu lassen. Ein findiger Geschäftsmann aus Rubenheim bekam Wind von dem Heilpflaster und kaufte Spökenkieker die Formel ab. Mit dem Geld konnte der promovierte Arzneifachverkäufer zwar seine Apotheke sanieren , aber aus ihm wurde ein zurückgezogener, nachdenklicher und griesgrämiger Mensch. Das herzliche Lachen des Mannes, welches sich seinen Kunden beim Kaufen von Pflege- und Heilmittel so ungemein beruhigend auf ihre oftmals durch Krankheit geschundene Seele legte, sollten sie nicht mehr hören.        

Der Geschäftsmann hingegen - sein Name ist nicht überliefert - kam bei einem Zugunglück ums Leben. Sein Aktenkoffer, einschließlich der Heillappenformel Spiekenkökers, fiel bei diesem Unfall dem aus Spanien stammenden und in Paris lebenden Musiker Enrico Cordon (eigentlich Enrique Cordón) im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoß. Bei der Kollision der Lok mit einem auf einem Bahnübergang stehenden Lasters (der Fahrer wurde nie ermittelt), wurde die besagte Tasche direkt in die Arme des Musikus geschleudert. Unter Schock hielt er daran fest und umklammerte sie noch, als er im Krankenwagen wieder zu sich kam. Später entdeckte er die Erfindung des Buxtehuder Apothekers, deren Bedeutung er mangels Deutschkenntnisse jedoch nicht begriff. In seinem Atelier in Paris gelang es ihm dennoch, den Lappen aus Wasser und Mehl herzustellen, allerdings ohne die von Apotheker Spiekenköker ausgetüftelte heilende Wirkung. Diese wird wohl auf immer ein Geheimnis bleiben. Als nämlich die Polizei bei Cordon auftauchte, um ihm Fragen zu dem Bahnunglück zu stellen, vernichtete er den Aktenkoffer mitsamt seinen Unterlagen aus Furcht, des Diebstahls bezichtigt zu werden.      

 

Seine Entdeckung ließ dem Künstler allerdings keine Ruhe und er verwendete die ursprünglich als Heilpflaster erdachte Pelle in dem Resonanzkörper eines eigens erfundenen, mit Spielzeug und Rasseln behängtes Zupfinstrument, dem er den Namen Crepundia espanogla por rondella y danza gab. Unglücklicherweise starb der ansonsten kerngesunde Künstler 1956 viel zu jung an einer besonders starken Mehlstauballergie. Bemerkenswert ist, dass noch im gleichen Jahr an Filmsets in Paris während Drehpausen besonders flache Pfannkuchen dargeboten Crêpes ronde genannt wurden. Ein Zufall? Vor wenigen Jahren tauchte im Internet ein fast zwanzig minütiges Interview auf, in dem ein greisenhafter Schiffskoch namens Ronan Guennégan beiläufig auf bretonisch erwähnt, dass er die Schiffsbesatzung nach einer Havarie beim durchsegeln der Thierry Passage, letztendlich nur noch mit Crêpes versorgen konnte, sie aber so vor dem Verhungern rettete. Es mag vielleicht eine Nordwestpassage geben, eine Thierry Passage gibt es nicht. Stattdessen gibt es aber eine Passage Thierry im 11. Arrondissement von Paris, in der Enrico bis zu seinem tragischen Tode lebte. Ein Hinweis Guennégans ihn gekannt zu haben? Das Interview werden Sie vergeblich suchen, es wurde vor geraumer Zeit von allen Videoplattformen ohne Angaben von Gründen entfernt.     

  Ähnlich mysteriös stellt sich der Fall des Eiffelturms dar. Die Baupläne des Turmes sind wie man heute weiß, schon viel älter als angenommen. Sie wurden wahrscheinlich bei Ausgrabungen durch französische Archäologen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Ägypten entdeckt und mit dem Obelisken von Luxor 1836 nach Frankreich gebracht. Versuche den Turm in Paris nachzubauen, waren wegen zu hoher Materialkosten zum Scheitern verurteilt. Die Pläne sahen vor, das Bauwerk aus einem besonders seltenen Metall herzustellen, das man bis heute nur im Obelisken von Luxor und in Meteoriten gefunden hat. Eine Transponderstation zur Kontaktaufnahme mit entfernten Galaxien? Der Turm mit seinen 439,77 Metern, also exakt drei mal so hoch wie die Cheops Pyramide, wurde jedenfalls nie errichtet. Selbst die weniger nüchterne und etwas kitschig wirkende Version von Gustav Eiffel aus dem Jahre 1889 existiert heute nur noch als Kopie. Das Original wurde bekanntlich 1925 an den Schrotthändler André Poisson veräußert, der die Eisenfachwerkträger unter anderem an die Katholische Kirche weiterverkaufte. Mit Teilen des Turmes wurde zum Beispiel die Notre-Dame-du-Travail im 14. Bezirk von Paris gebaut. Experten vermuten, dass das Material für den erst im Jahre 1944 errichteten Nachbau des Eiffelturmes aus japanischen Produktion stammt. Zur Ankurbelung der ostasiatischen Metallindustrie forderten die Amerikaner Fertigelemente aus Japan an, die auf dem Seeweg nach Le Havre verfrachtet, auf Schuten umgeladen und über die Seine nach Paris verschifft wurden. Die japanischen Ingenieure, bekannt für Ihre Effizienz und Schnelligkeit, errichteten den Turm in einer einzigen Oktobernacht.       

 

 Zu dieser Zeit war Paris nichts weiter als ein riesiges Filmstudio. In nur drei bis vier Monaten war die völlig zerstörte Stadt mit Häuserattrappen aufgebaut worden. Die meisten dieser Attrappen stammten aus einer Paris nahe gelegenen Geisterstadt, die die französische Luftverteidigung schon während des spanischen Bürgerkrieges zusammenzimmern ließ, um deutsche Bomberpiloten zu verwirren. Noch heute lassen sich überall in der Stadt Fassaden finden, die durch billige Metall- oder Holzkonstruktionen abgestützt werden müssen. Wer die Stadt zerstört hat, ist übrigens bisher ungeklärt. Noch vor der Landung alliierter Truppen in Frankreich, ließ sich De Gaulle von amerikanischen Generälen versichern, dass Paris unbeschadet in französische Hände fallen würde. Vermutet wird, dass Hitler von diesem Versprechen wusste. Da er sich wegen fehlenden Französischkenntnissen nicht nach Paris traute (denkbar ist, dass die Fotomontagen, die Hitler vor dem Eiffelturm zeigen, aus dem Fotostudio stammen, in dem er Eva Braun kennenlernte), verbanden ihn keine persönliche Erinnerungen an Paris und er hatte keine Skrupel den Befehl zur totalen Vernichtung der Stadt zu geben. Die durch diesen Umstand in Verlegenheit gebrachten alliierten Generäle entschieden sich kurzerhand für die einfachste Lösung des Wiederaufbaues. Der Legende nach kam die Idee von einem einfachen GI, der vor dem Krieg in einem kalifornischen Filmstudio als Hausmeistergehilfe gearbeitet haben soll.       

Eine andere Theorie behauptet, die Amerikaner hätten Paris absichtlich oder gar unabsichtlich durch eine Atombombenexplosion ausgelöscht. Dies wird aber von den meisten Wissenschaftlern als absurd abgetan. Dennoch soll es Gerüchten nach solche Pläne gegeben haben, lange bevor alliierte Truppen Frankreich befreiten. Eine mit der Metro beförderten Bombe hätte direkt im Herzen der Stadt gezündet werden sollen. Ein Szenario, das ganz offensichtlich in dem Film V wie Vendetta verarbeitet wurde. Allerdings lässt etwa ein Jahr vor dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki nichts darauf schließen, dass die am Manhatten-Projekt beteiligten Physiker schon 1944 in der Lage waren, eine erfolgreiche Atombombenexplosion durchzuführen. Für die These spricht andererseits, dass beim Rückzug der 30.000 Natosoldaten aus Frankreich (1966), in den zurückgelassenen Depots große Mengen an spaltbarem Material gefunden wurde, das militärisch wie auch zivil hätte genutzt werden können. Dies würde zumindest die überdurchschnittliche Versorgung Frankreichs durch Atomstrom erklären, dessen Anteil an der Gesamtstromerzeugung heute bei sage und schreibe 74% liegt.     

 

Noch ein paar Worte zur Bevölkerung von Paris. Sie wird, wie eingangs erwähnt, als Traumstadt bezeichnet und lockt, unterstützt von einer gigantischen Werbemaschinerie, jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Anders als bei den restlichen Traumzielen dieser Erde, werden sie nicht von freundlich lächelnden, entspannten Einwohner empfangen, wie zum Beispiel auf Hawaii, Bora Bora oder Bali. Hier trifft man auf gleichgültige Kellner, nicht zuständige Verwaltungsangestellte, inkompetente Telefonverkäufer oder Taxifahrer, die einem das Navigationsgerät mit der Begründung in die Hand drücken, sie hätten ihre Brille nicht dabei. Warum benehmen sich ausgerechnet die Bewohner von Paris, in der sich jeden Tag tausende Besucher staunend und bewundernd vor der Kulisse dieser Stadt verbeugen, als würden sie sich nicht wohlfühlen und zur Arbeit gezwungen? Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich schlicht und einfach um unterbezahlte Statisten, die in den tristen Betonburgen der Vorstadt untergebracht sind. Sie glauben mir nicht? Fragen Sie jemanden, der behauptet in Paris zu leben. Seien Sie jedoch gewarnt ... die meisten von denen, wenn nicht alle, erzählen nichts weiter als Märchen.

title=