Ali Woudchouhinegomme ruhe in Frieden

geschrieben von pcrespi | 16 Mär, 2010
 
Über den Bäcker Mobel habe ich ja schon berichtet. Genauer gesagt über die Botschaft "Brecht Mobel Kuchen". Beim Abendmahl hieß es ja noch brecht das Brot und sagt Dank. Heute muss es eben Kuchen vom Mobel sein. Wie sich die Zeiten ändern!? In der Grundschule freuten wir uns darüber, dass brechen auch kotzen bedeutet. So war das damals und Gutes tun und mit anderen zu teilen, also Filesharing zu betreiben, blieb unbehelligt.  Man ließ sich halt von der großen Schwester eine Kassette überspielen. Häufig traf man sich und hörte die neuste Schallplatte der drei Fragezeichen gemeinsam. Tauschbörsen gab es noch nicht und wir freuten uns, wenn das Häschen sagte: Hattu Platten? Muttu aufpumpen! Für die Mitschüler mit älteren Brüdern war das natürlich Kinderkram. Die hörten AC/DC und brachten kleine Bildbetrachter aus Plastik mit. Schaute man durch den Sucher sah man nicht den Champs Elysees oder die Via Apia, sondern die Reeperbahn. Einschließlich ihrer Sehenswürdigkeiten bzw. nackten Wahrheiten. Ich durfte aber nur einmal durchsehen und musste an den nächsten Schüler weitergeben. Seither übe ich mich darin Details in Kürze zu erfassen. Da soll noch einer behaupten in der Schule lernt man nicht fürs Leben.
Der Blick für Feinheiten kommt mir noch heute zugute und es sind die kleinen Details der Stadt Paris, die sich mir offenbaren und Freude bereiten. So stelle ich immer wieder fest, dass sich die Einwohner dieser Stadt besonders um die englischsprachigen Besucher der Stadt bemühen. Allerorten findet man englische Hinweise, damit sich Auswärtige zurechtfinden, ohne der französischen Sprache mächtig zu sein. Nagender Hunger? Stechender Kopfschmerz? Wie wäre es mit einem Sandwich plus Aspirin aus dem Bistro "Stop Pain" im 13. Arrondissement. Auch für spezielle Schmerzen. Ohnehin lassen sich Bistros und Bäckereien allzu leicht finden. Zu achten ist lediglich auf die meist gut sichtbaren Schriftzüge "bred", was natürlich Brot und nicht Kuchen bedeutet. Kein Geld für Brot, Croissant oder Baguette? Auch kein Problem. Zu einem schnellen Kredit verhilft Nang Loan. Angeblich soll der Besitzer Sohn eines chinesischen Vaters und einer deutschen Mutter mit dem Namen Till Gung sein. Nebenbei fällt mir ein, dass französische Schüler sich keine Hasenwitze erzählen, sondern sich die Frage stellen, wie dieser oder jener Sohn von Herrn und Frau Soundso heißt. Wie zum Beispiel haben Madame und Monsieur Ligotmi ihren Sohn genannt? Youri! Youri Ligotmi. Oder wie heißt der Sohn von Herr und Frau Woudchouhinegomme? Richtig: Ali! Ali Woudchouhinegomme. Leider lebt er nicht mehr. Er wurde von einem Bus überfahren. Rest in peace mon ami. 


Radfahren in der Stadt? Paris denkt drüber nach.

geschrieben von pcrespi | 1 Feb, 2010

Paris gibt sich ökologisch und auf der Webseite der Stadt können wir lesen, dass angesichts drängender Umweltfragen und Verstopfung der Innenstadt, die Art der Fortbewegung überdacht werden muss. Sehr energisch klingt das nicht. Wir schreiben das Jahr 2010 und die französische Hauptstadt rühmt sich, seit Anfang des Jahrhunderts das Netz von Fahrradwegen von 200 km auf 371 km ausgebaut zu haben (Straßburg verfügt über 500 km Radweg). Wenigstens darf vermutet werden, dass eine öffentlichen Debatte zu dem Thema stattfindet: Eindämmung des Kraftfahrzeugverkehrs durch Gebühren oder Reduzierung von Abgasen durch Feinstaubfilterverordnung, wie es in London, Rom, Stockholm oder Berlin längst der Fall ist. Davon kann allerdings keine Rede sein, von einer Umsetzung solcher Maßnahmen ganz zu schweigen. Wenigstens scheint Paris ganz aufs Fahrrad zu setzen. Auf der städtischen Webseite steht weiter amtssprachlich, dass die Förderung von Fahrrad und leichten, wenig verschmutzenden und leisen Fortbewegungsmitteln, einer Anpassung und eines Ausgleichs zwischen den verschiedenen Transportmöglichkeiten im öffentlichen Raum bedarf. Tatsächlich hat die Stadt mit dem Leihfahrradsystem Vélib' ein Vorzeigeprojekt geschaffen, dass in seiner Konzeption weltweit Beachtung findet. Allerdings machten nötige Vertragsnachregelungen zwischen Stadt und der Betreiberfirma JCDecaux (20minutes, 23. November 2009) deutlich, dass auch dieses Projekt auf Grund von Vandalismus und mangelnder Servicequalität noch in teuren Kinderschuhen steckt.
 
Wie in anderen Großstädten sind in Paris Fahrraddiebstähle häufig. Wohnraummangel geht einher mit fehlenden privaten Abstellmöglichkeiten. Ebenso fehlt es an öffentlichen Stellplätzen für Fahrräder. Diebe, aber auch das Ordnungsamt erledigen das Verschwinden eines am Geländer angeketteten Drahtesels. Lässt man sich hierdurch nicht entmutigen und zieht das Fahrrad weiterhin als bestes Transportmittel in der Stadt vor, wird man beim Radeln in Paris in eine Realität katapultiert, die so gar nicht mit den Versprechen und Bemühungen der Stadtväter übereinstimmt, wie das beigefügte Video eindrucksvoll zeigt. Ständig sind Radwege blockiert und das Ausweichen auf die Straße ist durch manch rücksichtslosen Autofahrer mitunter lebensgefährlich. Sicherlich wird es auch Radfahrer geben, die bestehende Verkehrsregeln nicht so genau nehmen, aber besonders im Vergleich mit durch motorisierte Zweiräder verursachte Unfälle, sind solche Radelrowdies eher selten. Übrigens sind die in Deutschland häufig kritisierten Fahrradkuriere im Straßenbild so gut wie abwesend. Bemerkenswert ist, dass nach französischer Straßenverkehrsordnung nicht zwischen motorisiertem und muskelangetriebenem Vehikel unterschieden wird. Verkehrsrechtlich ist zum Beispiel ein 20 Kilo schweres Vélib' mit einem 20 Tonner gleichgestellt.
 

 
Wer nun, wie ich, an die Vernunft der uniformierten Ordnungskräfte von Paris glaubt und ihnen eine gewisse Einschätzung der Verhältnismässigkeit zutraut, muss sich, wie ich, bisweilen eines besseren Belehren lassen. Letzten Donnerstag überquerte ich, um einen für Radfahrer nicht immer ungefährlichen Kreisverkehr zu vermeiden, einen sieben bis acht Meter breiten Bürgersteig. Drei Beamte der städtische Gemeindepolizei sahen mich und es folgte eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit Spitzengeschwindigkeiten von 5 Kilometer pro Stunde, die nach zehn Metern durch den beherzten Griff eines Schutzmannes zur Bremse meines Vélib's beendet war. Daraufhin bekam ich eine Belehrung die sich gewaschen hat, mit Ausweiskontrolle und Sätzen wie "Sie haben den Anweisungen der Polizei folge zu leisten" oder "Beantworten Sie meine Fragen". Provoziert durch den unangemessenen und aggressiven Ton und durch die Lächerlichkeit der Situation, war ich nicht imstande meinen Ausweis vorzuzeigen. Darauf rief der Ordnungshüter sicherheitshalber - schließlich spreche ich mit Akzent - zwei weitere Beamte der "police nationale" zur Verstärkung. Es schien mir, als wollte er unterstreichen, wie sehr er mit der brenzligen Situation überfordert war. Gegenüber fünf, die Staatsmacht vertretende Uniformen zerfloss mein ziviler Ungehorsam und ich übergab meinen Ausweis. Nach Verbalisierung wurde mein unerlaubtes Radfahren auf dem Bürgersteig mit einer Strafe von 90 € belegt.
 
Es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass wir bei unangemessenen Verhalten auf Straße und Bürgersteig, stets auf saftige Strafen verzichten sollten. Insbesondere wenn ich an die Hundekacke denke, die überall für das gewisse Flair der Stadt sorgen. Wenn es aber nur darum geht, das Stadtsäckel zu füllen oder dem Bürger blinden Gehorsam beizubringen, werden Geister beschworen, die mangels Aufarbeitung der Kolonialzeit vermutlich weiter in der französischen Volkseele schlummern. Solches Handeln hat zum Ziel, menschliches Zusammenleben zu unterhöhlen, falls solch niederes Auftreten der Exekutivgewalt nicht bereits Zeichen für eine löchrige Gesellschaftsstruktur sind. Der erneute Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, afghanische Polizei ausbilden zu wollen, erscheint mir in diesem Zusammenhang mehr als überheblich. Kompetenz und moralische Stärke der europäischen Ausbilder sollte zumindest nicht auf den Ruf der französischen Polizei im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen begründet sein. Die Schutzfunktion der Polizei legitimiert sich nicht dadurch, dass verantwortliches Handeln verordnet wird. Das Verbot des Fahrradfahrens auf dem Bürgersteig mag zwar in Sorge um Kinder, ältere Leute und städtische Schoßhündchen berechtigt sein. Jedoch führt unter Umständen solcherlei "tolérance zero" zu dem Ergebnis, dass selbst Eltern mit ihren Kindern irgendwann nicht mehr auf dem Gehsteig fahren dürfen oder wollen. Dieses der Wiege der Menchenrechte und dem Ursprungsland des bekanntesten Radrennens der Welt zu unterstellen, ist freilich genauso unverschämt und abwegig, als würde man behaupten, Frankreich erlaube die Inhaftierung von Sechsjährigen oder ein Amerikaner könnte zum achten Mal die Tour de France gewinnen. 

Deutsch-Französische Weihnachtsfeier

geschrieben von pcrespi | 9 Nov, 2009
Auch dieses Jahr wird im Europäischem Haus bzw. Maison de l'Europe eine Weihnachtsfeier im Rahmen der Bemühungen um die deutsch-französische Freundschaft veranstaltet. Für die musikalische Unterhaltung sorgt swingend Susanna Bartilla. Der Veranstaltungsort befindet sich in der Rue des Francs-Bourgeois, Hausnummer 35-37, zwischen den Sehenswürdigkeiten Centre Pompidou und Place de Voges im 4 Arrondissement. Die Straße ist bekannt für ihre kleinen Läden, Boutiquen und Galerien und lädt vor allem vor Weihnachten zum Bummeln ein. Eingeladen sind alle, die am 19. Dezember zwischen 12 und 18 Uhr noch, schon oder wieder in Paris sind. 

Einmal Mac Val bitte!

geschrieben von pcrespi | 21 Okt, 2009

Museum für zeitgenössische Kunst Val de MarneNoch ist es ein Weilchen hin bis die documenta 13 im Jahre 2012 Liebhaber moderner Kunst aus aller Welt nach Kassel lockt. Ansonsten ist diese Stadt auf der Weltbühne nicht gerade ein Publikumsmagnet und es kann kein Zufall sein, dass die Gebrüder Grimm hier die erste Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen verfassten, einschließlich der Mär vom Dornröschen. Allerdings möchte ich auf einen ganz anderen Ort aufmerksam machen, der 2005 aus einem Dornröschenschlaf geweckt wurde; zumindest was zeitgenössische Kunst betrifft. Die Rede ist von Vitry-sur-Seine, wo vor eben vier Jahren das Musée d'art contemporain du Val-de-Marne eröffnet wurde. Sicher, es gibt das Centre Pompidou und das Palais Tokio in Paris. Warum sich also die Mühe machen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln während 45 Minuten Fahrzeit 185 Gramm CO2 zu verbraten? Weil es sich einfach lohnt, die 4000 m2 Ausstellungsfläche zu durchwandern. Ein paar Stunden sollte man sich also Zeit für den Besuch, sowie für An-, und Abreise nehmen. Ich empfehle übrigens die Linie 7 bis Metrostation Villejuif und den Bus 180 oder 172 bis zur Haltestelle des Museums.

Museum für zeitgenössische Kunst Val de MarneÄhnlich wie in Kassel lässt sich streiten, ob solcherart geballte künstlerische Ausdruckskraft zum erreichten oder ersehnten Wohlstand der Trabantenstädte gehört. Ist ein solches Museum ein Experimentierkasten aus dem Labor der Urbanisten, eine kulturelle Oase im Grau und Einerlei der Außenbezirke von Paris oder ist es Spiegel des modernen und facettenreichen Zusammenlebens in den Banlieus? Für mich war es Gelegenheit einen kalten, aber sonnigen Herbsttag für einen Ausflug zu nutzen und die ausgestellten Kunstwerke auf mich wirken zu lassen. Durch die Ausstellung begleitete mich eine (unter Abgabe eines Ausweises kostenlose und) sehr gelungene Audioführung. Mit einem Augenzwinkern verteidigt sie einerseits das eventuelle Unverständnis der Besucher und erzeugt anderseits ein Verständnis für die Installationen. Unter diesem Einfluss betrachte ich zum Beispiel die Schöpfung des kanadischen Künstlers Michel de Broin mit dem Namen Transestérification (Umesterung). Es geht dabei um einen chemischen Prozess, der es ermöglicht abgesaugtes Menschenfett in Alkohol und Natronlauge zu überführen und als Dieselkraftstoff zu verwenden ... so in etwa. Angesichts der unerwarteten praktischen Anwendung die dieses Werk offenbart, traf es mich wie ein Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch. Ich hoffe, es war kein einmaliges Erlebnis. Schließlich ist ein Museumsbesuch stets Form von Austausch und Kommunikation, die zu einer persönlichen Beziehung führt, welche den Besuchern durchaus ein Stück eigener Identität abringen kann. Mein Ausweis liegt jedenfalls nach wie vor an der Garderobe im Karteikasten neben den Audioguides.

 

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Joggen in und um Paris

geschrieben von pcrespi | 4 Aug, 2009

Berlin Marathon 2009Joggen in der Großstadt Paris ist das Allerletzte. Ob in Berlin, London oder Paris. Bei ständigem Verkehr ohne Rußfilterverordnung, rennt man über harten Asphalt durch die Häuserschluchten in ständiger Besorgnis, nicht in den nächsten weichen Hundehaufen zu treten. An jeder Ampel ist ein Zwangsstopp einzulegen. Ein Jammer. Wirklich? Ganz so schlimm ist es nicht. Nun möchte ich niemanden auffordern rote Fußgängerampeln zu ignorieren, wie in Paris üblich (siehe Im Doppelten Sinne) oder behaupten ein Lauf durch die Stadt wäre mit einem Waldlauf über federnde Böden und in frischer, mit Nadelholzduft durchsetzter Luft zu vergleichen. Dennoch bietet die Stadt für Joggerinnen und Jogger ziemlich viel stressfreien Auslauf. Die Bürgersteige sind relativ breit und warum nicht das eine oder andere Arrondissement im Laufschritt entdecken. In Paris geht inzwischen auch per Google Streetview, hat allerdings einen unweit geringeren Trainingseffekt als Dauerlauf. Wer auf Autoverkehr, aber nicht auf Sightseeing verzichten möchte, läuft auf der für die Paris Plages gesperrten Uferstraßen der Seine entlang. Ganzjährig sind sonntags die Uferstrassen beidseitig der Seine gesperrt und somit stehen zwischen Eiffelturm und der National Bibliothek François Mitterand 7 km Strecke im Herzen der Stadt zur Verfügung.

Natürlich verfügt Paris über etliche Parks, die zum Joggen einladen. Die wichtigsten sind schnell aufgezählt: Parc du Champs de Mars, Parc de Luxembourg, Jardin de Plantes, Parc Monceau, Parc des Tuileries und den Parc des Buttes Chaumont, den mein Britischer Laufkumpane wegen seiner Steigungen gerne "Pain in the Buttes" nennt. Alle Parks sind übrigens mit dunkelgrünen Trinkwasserhydranten ausgestattet, auf die man achten sollte, falls der eigen Vorrat an Flüssigkeit zu Neige geht. Auch ein Training auf der Tartanbahn braucht man in Paris selbstverständlich nicht entbehren. Die Sportsttätten sind auch am Abend frei zugänglich, was auch für die Toiletten gilt, aber nicht immer für den Rest der sanitären Anlagen. Häufig sind Umkleideräume und Duschen verschlossen und Vereinsmitgliedern vorbehalten. Logischerweise befinden sich die Sportplätze und Laufbahnen nicht im bewohnten Stadtkern sondern am Stadtrand in unmittelbarer Nähe der Pérépherique und damit in unmittelbarer Nähe von Auto- und LKW-Abgasen.

Deshalb empfehle ich, sich ebenfalls außerhalb der Ringautobahn nach Trainingsmöchglichkeiten umzuschauen. Empfehlenswert ist die Ile de Puteaux in der Seine zwischen La Defense und Paris. Sie ist einfach mit der Linie Eins zu erreichen (Metro Pont de Neuilly). Die Insel ist im Grunde ein großer Sportplatz, einschließlich Park, 400-m-Bahn, sowie Trimm-Dich-Pfad und dies relativ weit entfernt von jeglichem Straßenverkehr. Doch lieber Waldlauf? Im Westen, ungefähr zwischen Ile de Puteaux und der Pérépherique liegt der Bois de Boulogne und quasi gegenüber im Osten der Bois de Vincennes. Der eine wie der andere Stadtwald bietet etliche Laufkilometer im Grünen und ist mit der Metro leicht zu erreichen und Velib Stationen sind auch nicht weit entfernt.

Zwei Parks habe ich noch nicht erwähnt, auf die ich aber unbedingt hinweisen möchte. Zum einen ist es die Promenade Plantée, einem Park, der sich über eine stillgelegte Bahnstrecke von der Bastille bis zur östlichen Peripherique erstreckt und fast an den Bois de Vincennes anschließt. Zum anderen ist es der Parc de la Vilette, der idealer Ausgangspunkt für lange Strecken entlang des Canals de l'Ourcq ist. Durch Industriegebiet und Vorstadtsiedlungen führt er in den verschlafenen Parc Forestier National de Sevran. Ist dieser durchquert, kann die Rückreise nach Paris an der RER Station Vert-Galant angetreten werden. Hat man das nötige Kleingeld vergessen oder steht ein Marathon bevor, sind weitere 15 Kilometer zurück in die Stadt zu bewältigen. On y va!
 
Ito, Berlin Marathon 2009

Bewegung! Stadtteilfestival Onze Bouge

geschrieben von pcrespi | 14 Jun, 2009

Courir les Rues während des Festivals Onze Bouge in Paris am 13. Juni 2009

Heute geht das 13. Festival "Onze bouge" zu Ende. Wie der Titel des Festivals bereits andeutet, ist das der Stadtteil Elf in Bewegung und fordert gleichzeitig seine Bewohner und deren Freunde auf, den Hintern hochzukriegen, um die zahlreichen Veranstaltungen an Musik, Theater, Tanz, Humor oder Straßenkunst zu besuchen. Schließlich ist "on se bouge", geflügeltes Wort, um sich und andere auf Trab zu bringen, als Motto in den Titel eingestrickt. Alle Darbietungen können Dank Stadtverwaltung und einigen Sponsoren kostenfrei angeboten werden, ich empfehle dennoch, sich das übersichtliche Programm für 2 € zu besorgen. Um sich einen Platz zu sichern, sollten die Gratistickets am besten schon am Vortag der Aufführung vom Stand auf dem Rathausplatzes des Elften abgeholt werden. Auf diesem findet übrigens stets ein Konzert mit verschiedenen Interpreten am letzten Samstag des Festivals  statt. Dabei waren zum Beispiel die Gruppe Courir les Rues (siehe Foto), die diesmal ihren eigenen kraft- und humorvollen französischen Chanson zum besten gaben.

 


Sehr gut gefallen hat mir dieses Jahr vor allem Khalid K, der mit seiner Stimme, Mikrofon und elektronischem Aufnahmegerät einen Geräusch- und Rhythmusbrunnen kreiert, der phonetische Geschichten aus der ganzen Welt speit. Gefördert werden mit dem Festival vor allem junge Talente. Somit schafft es während acht Tagen einen Komplizität zwischen einer neuen Generation an Kulturschaffenden und den Bewohner des elften Arrondissement, egal ob jung oder alt, mit großem oder kleinen Geldbeutel. Das Stadtteilkulturfest findet jährlich im Juni statt. Selbstverständlich werden auch in anderen Stadtteilen von Paris ähnliche Events organisiert, die der Stadt besonders in den Monaten Juni und Juli ihren besonderen Flair verleihen.

Hier einige Beispiele:

20. bis 21 Juni - Fête de la Musique im ganzen Stadtgebiet und der Ile de France
20. bis 28. Juni - Festival des arts vivants im 20. Arrondissement
21. Juni bis 14 Juli - Festival Soir d'été im 3. Arrondissement
28. Juni bis 12. Juli - Musique et Jardins im 18. Arrondissements
3. bis 5 Juli - Tanzfestival Tobina im 10. Arrondissement
4. Juli - Tropischer Karneval vom Platz der Republik bis zum Platz der Nation